Westphal Berlin - Kunst und Projekte

Aktualisiert: 6. Nov 2019

„Wilder Kiez“ und Picasso im Grunewald


Seit fast 30 Jahren ist Stefan Westphal im Kunsthandel tätig. Seit einem Jahr hat er seine Galerie am Hagenplatz in Grunewald. Nie war er seinen Kunden näher.


Manchmal hat das Leben ganz andere Dinge mit uns vor. Und zeigt uns dann selbständig den Weg. So ging es auch Stefan Westphal. Nach dem Mauerfall wollte er Maschinenbau studieren. In einem Wartesemester jobbt er bei einer Kunstspedition, lernt dabei den Galeristen Dieter Brusberg kennen, die graue Eminenz des Kunsthandels in der Mauerstadt Berlin. „Es hat mich fasziniert, was er macht. Deshalb habe ich in der Galerie mal jemanden gefragt, wie man eigentlich Galerist wird.“ Pragmatische Antwort: „Man studiert Kunstgeschichte, bricht nach drei Semestern wieder ab und wird Galerist.“ Eine Vorgehensweise, die Stefan Westphal nicht annähernd überzeugte.



Nun funkt das Leben dazwischen: Dieter Brusberg vergrößert seine Galerie am Kudamm und braucht Unterstützung. Am 1.9.1991 fängt Westphal bei ihm an, als „Mädchen für alles“, wie er es selber nennt. Als sich kurz darauf der damalige Leiter der Galerie selbständig macht, wird die Stelle vakant. „Es haben sich unendlich viele Galeristen vorgestellt, sogar aus New York kamen Interessenten“, erinnert sich Stefan Westphal. Brusberg reagierte wieder eher pragmatisch: „Warum machen Sie das eigentlich nicht“, fragte er. Und Westphal ging fortan bei ihm in die Lehre. „Ich habe alles von der Pike auf gelernt, war insgesamt 18 Jahre bei Brusberg tätig.“


2008 eröffnete Stefan Westphal dann seine eigene Galerie in Prenzlauer Berg. „Schwerpunkt meiner Galerie sind Positionen im figürlich-gegenständlichen Bereich. Im Kunsthandel vertrete ich vor allem Künstler aus der ehemaligen DDR.“ 2011 zog er wieder an den Kudamm zurück. Mit einem Partner übernahm er die Räume der „Hofgalerie“ von Dieter Brusberg, der sich nach über 50 Jahren Galerie aus dem aktiven Geschäftsleben zurück ziehen wollte. Doch erneut hatte das Leben einen anderen Plan und so wechselte er 2013 wieder allein auf 220 Quadratmeter in der zugigen Passage des Kudamm-Karrees. „Ich war zu der Zeit einer der letzten Galeristen am Kudamm.“ Aber Stefan Westphal ist ein Mann mit Ausdauer. Und mit Disziplin. Der Triathlet hat sogar im letzten Jahr beim Ironman-Wettkampf am österreichischen Wörthersee teilgenommen. Und das heißt 3,86 km Schwimmen, 180,2 km Radfahren und ein Marathonlauf über 42,195 km.



Dann das Aus. Das Kudamm Karree wird abgerissen. Was soll er machen? Durch einen glücklichen Zufall, und einem kunstaffinen Vermieter, fand Stefan Westphal am Hagenplatz seinen neuen Standort. Im Grunewald ist er so nah an seinen Kunden wie noch nie. Seit Oktober 2018 läuft hier der regelmäßige Ausstellungsbetrieb mit wechselnden Ausstellungen. In den nächsten Monaten will er Kunst von Gerhard Altenbourg, Rolf Szymanski und Keramiken von Pablo Picasso zeigen. Danach folgt "Wilder Kiez West-Berlin" - Part II von Martin Heinig. Heinig war ein Vertreter der „Jungen Wilden“ aus dem West-Berlin der 1980er Jahre. Zum 60. Geburtstag von Hermann Reimer plant Westphal im Herbst eine Ausstellung. „Reimer hatte sein „Handwerk“ in den 80er Jahren bei Klaus Fußmann gelernt und ist noch heute eng mit ihm befreundet“, erklärt der Galerist. Zum Jahresabschluss sollen Werke von Andreas Wachter, einem Vertreter der Leipziger Schule, zu sehen sein.


Stefan Westphal ist auch international bestens aufgestellt. Dieses Jahr wird er wieder in Basel und zum ersten Mal in Miami auf Kunstmessen vertreten sein. Parallel zu seiner Galerie betreibt Westphal die Online-Plattform www.artserver.berlin, auf der er außerhalb seiner Galerietätigkeit Kunst anbietet.



Westphal Berlin Kunst und Projekte

Stefan Westphal

Hagenplatz 3

14193 Berlin-Grunewald

Tel. 0179.392 25 33

Di – Fr 12:00 — 18:00

und nach Verabredung

Sa 11:00 — 14:00

www.westphal-berlin.de

www.artserver.berlin

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MEIN TIPP:

Als aktiver Triathlet schätze ich die Trainingsmöglichkeiten, die mir Grunewald bietet, sehr. Schwimmen, laufen und Radfahren. Alles vor der Haustür. Was für ein Luxus.



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